Holdorfer Dorfleben

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Doris Egler ist die erste Schützenkönigin der Gemeinde Holdorf
Ein Portrait
In einer ruhigen Stunde greift Doris Egler gern zu einem Buch. (Foto: Vollmer)
Die erste Schützenkönigin von Fladderlohausen und der Gemeinde Holdorf: Mit dem Fall des Adlers schrieb Doris Egler Vereinsgeschichte: Als erste Frau überhaupt errang sie die Königswürde des Schützenvereins Fladderlohausen und ist damit zugleich die erste Schützenkönigin in der gesamten Gemeinde Holdorf. Für die 69-Jährige ist diese besondere Ehre jedoch weit mehr als ein historischer Eintrag in den Vereinschroniken - sie ist Ausdruck einer tiefen Verbundenheit mit ihrem Heimatort und dem Vereinsleben.
Geboren wurde Doris Egler im Oktober 1956 in Helle bei Gehrde. Dort wuchs sie auf, bevor sie eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin in Osnabrück absolvierte. Bereits im Jahr 1974 heiratete sie ihren Mann Günther Egler und zog mit ihm nach Fladderlohausen, wo ihre beiden Töchter Kerstin und Katharina aufgewachsen sind. Gemeinsam bewirtschaftete das Ehepaar bis zum Tod ihres Mannes im Jahr 2004 den elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb.
Nach dieser Zeit arbeitete Doris Egler auf einer Biogasanlage, bevor sie in den Ruhestand ging. Heute lebt sie mit ihrem Lebensgefährten Ed Nijboer auf dem Hof in Fladderlohausen. Die landwirtschaftlichen Flächen sind seit einigen Jahren verpachtet.
Auch im Ruhestand ist Stillstand für sie keine Option. ,,Ich fahre gerne Fahrrad, spiele Bridge, lese gern ein Buch und treffe mich regelmäßig mit Freunden zu Gesellschaftsspielen. Außerdem halte ich mich mit Sport fit und genieße die gemeinsamen Aktivitäten mit dem Frauentreff", erzählt Doris Egler. Darüber hinaus engagiert sie sich beim Frauentreff, dessen Mitglieder gemeinsame Unternehmungen organisieren oder den Adventskranz für die Kirche in Fladderlohausen binden. Die Begegnungen mit anderen Menschen und das gemeinsame Erleben sind ihr dabei besonders wichtig. Auch bei den Landfrauen ist sie gelegentlich aktiv.
Dem Schützenverein Fladderlohausen ist sie seit vielen Jahren verbunden. Sie gehört der Frauenschießgruppe an, die sich alle vier Wochen zum Training und geselligen Austausch trifft. Zudem unterstützt sie den Verein bei Schießveranstaltungen und übernimmt gelegentlich dabei gern die Auswertung der Luftgewehrergebnisse.
Besonders schätzt Doris Egler am Schützenwesen die Gemeinschaft. ,,Ich gehe gerne zum Schützenfest, um Menschen zu treffen, die man oftmals lange nicht gesehen hat, und einfach in geselliger Runde zusammenzusitzen", sagt sie. Gleichzeitig bewundert sie die vielen Ehrenamtlichen, die mit großem Einsatz dafür sorgen, dass ein solches Fest überhaupt stattfinden kann. ,,Ohne die Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich engagieren, wäre ein lebendiges Vereinsleben nicht möglich" so Doris Egler.
Dass Frauen inzwischen die Möglichkeit haben, auf den Adler zu schießen, begrüßt Doris Egler ausdrücklich. ,,Es zeigt, dass unser Schützenverein Neuem gegenüber aufgeschlossen ist", betont sie. Für sie ist die Öffnung des Vereins ein wichtiges Signal, dass Tradition und Fortschritt kein Widerspruch sein müssen. Die Entwicklung sei auch dem Engagement vieler Frauen zu verdanken, die sich für diese Veränderung eingesetzt haben.
Dass sie schließlich selbst auf den Adler schoss, ergab sich eher unerwartet. Ihr Lebensgefährte wollte um die Königswürde kämpfen, allerdings nicht allein. Da sich zunächst keine weiteren Bewerber fanden, wurde Doris Egler gefragt, ob sie mitschießen wolle. Als langjähriges Vereinsmitglied sagte sie zu. Am Ende war es ihr entscheidender Schuss, der den Adler zu Fall brachte und ihr damit den Titel der ersten Schützenkönigin einbrachte.
Die Rolle der Königin ist für sie etwas ganz Besonderes. Zwar war sie bereits dreimal Mitglied eines Königsthrons, doch nun selbst die Königswürde zu tragen, sei eine einzigartige Erfahrung. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten und unterstützt von einem engagierten Thron freut sie sich auf ein unvergessliches Königsjahr.
Für die Zukunft des Schützenwesens zeigt sich Doris Egler optimistisch. Schützenfeste würden auch künftig Bestand haben, ist sie überzeugt. Gleichzeitig sieht sie die Vereine vor der Aufgabe, sich den veränderten Lebensgewohnheiten anzupassen. Entscheidend sei dabei, junge Menschen für das Vereinsleben zu begeistern. In Fladderlohausen sieht sie dafür gute Voraussetzungen, da sich viele Kinder und Jungschützen aktiv einbringen.
Auch ihre persönliche Lebenseinstellung hat sich im Laufe der Jahre verändert. Vieles betrachtet sie heute gelassener als früher. ,,Die Vergangenheit kann man nicht ändern, aber man kann aus seinen Fehlern lernen und manches besser machen", sagt sie. Dieser Gedanke begleitet sie bis heute und prägt ihren Blick auf das Leben.
Für die Zukunft hat sie einen einfachen Wunsch: ,,Früher als die Landwirtschaft unseren Alltag bestimmte, blieb wenig Zeit zum Reisen. Heute möchte ich die Möglichkeit nutzen, gemeinsam mit meinem Lebensgefährten noch viele schöne Reisen zu unternehmen", erzählt sie. Und natürlich wünscht sie sich, was wohl die meisten Menschen ihres Alters bewegt: Gesundheit, Zufriedenheit und die Möglichkeit, das Leben noch lange selbstständig genießen zu können.
Mit ihrer Königswürde hat Doris Egler Vereinsgeschichte geschrieben. Noch wichtiger ist vielleicht die Botschaft, die damit verbunden ist: Tradition lebt dann weiter, wenn sie offen für neue Wege bleibt. Dafür steht die erste Schützenkönigin von Fladderlohausen und der Gemeinde Holdorf in besonderer Weise.

